Erbauung der Kirche St. Pauli als Teil des Leipziger Dominikanerklosters; Im Laufe der Jahrhunderte mehrmals Erweiterung und Umbau
1409
Gründung der Universität Leipzig;
Für viele Persönlichkeiten der Universität werden in der Paulinerkirche Grabstätten errichtet, die mit prachtvollen Epitaphien geschmückt sind.
Säkularisation des Dominikanerklosters;
Die Gebäude werden der Universität Leipzig zur Nutzung übereignet. Die Paulinerkirche dient als Aula und Raum für Gottesdienste.
Weihe der Paulinerkirche zur evangelischen Universitätskirche;
Martin Luther hält zu diesem Anlass die Predigt. In der Universitätskirche werden vor allem universitäre Festakte wie Rektoratswechsel, Disputationen sowie Promotionen und seltener Gottesdienste abgehalten.
Regelmäßige Sonntagsgottesdienste finden dort zunächst nicht statt. In den folgenden Jahrhunderten gibt es wiederholt Diskussionen, diese einzurichten. Dem Anliegen der Universität stellt sich jedoch der Rat der Stadt Leipzig mit der Begründung entgegen, die Universität habe die Kirche nicht erhalten, um dort öffentliche Gottesdienste abzuhalten.
Für die musikalische Gestaltung aller in der Universitätskirche stattfindenden Ereignisse ist der Thomaskantor zuständig, der mit den Thomanern sowohl für den Chorgesang als auch für das Orgelspiel zu sorgen hat.
Es finden regelmäßige Universitätsgottesdienste in der Paulinerkirche statt, die von Professoren und Dozenten der Theologie für die Universitätsangehörigen gehalten werden. Die universitäre Nutzung tritt eher in den Hintergrund.
Die Musik liegt zwar nach wie vor in den Händen des Thomaskantors, doch gibt es immer mehr auch studentische Vokalgruppen, die die Gestaltung der Gottesdienste übernehmen möchten.
Nach dem Bau einer neuen Orgel 1717 werden Studenten als ständige Organisten berufen. Einer dieser Studenten, Johann Gottlieb Görner, wird nach seiner Studienzeit während einer längeren Vakanz des Posten des Thomaskantors, von der Universität als Director Chori Musici ernannt. Er kann nun auf einen studentischen Chor und ein Orchester zurückgreifen. Dadurch gerät er jedoch in Konflikt mit dem neuen Thomaskantor Johann Sebastian Bach, so dass die Paulinerkirche von zwei Universitätsmusikdirektoren und ihren Chören – dem Thomanerchor und dem studentischen Collegium Musicum – bespielt wird.
Bach schreibt wiederholt Chorstücke für universitäre Anlässe – zu Professuren, Promotionen und Begräbnissen.
Ein Gesuch des nachfolgenden Universitätsmusikdirektors, wegen Überlastung der Thomaner einen festen Universitätschor zu gründen, wird 1778 abgelehnt.
Nach der Völkerschlacht wird die Paulinerkirche als Lazarett verwendet, nach einer Renovierung 1817 jedoch wieder als Universitätskirche genutzt.
Das Augusteum mit einer neuen Aula wird errichtet. Universitäre Festakte finden nun dort statt.
Für die musikalische Untermalung sorgt dabei die Leipziger Singakademie, ein Laienensemble. Diese führt bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch immer wieder große geistliche Chorwerke in der Universitätskirche auf, wie 1837 Felix Mendelssohn-Bartholdys neues Oratorium „Paulus“.
Etwa 1830 gründet sich der studentische Sängerverein zu St. Pauli, der die Gestaltung der Gottesdienste übernimmt.
Der Universitäts-Kirchenchor zu St. Pauli entsteht, einige Jahre später auch ein Studentenorchester. Außer Gottesdiensten werden auch Kirchenkonzerte gestaltet.
Das 500jährige Jubiläum der Universität wird mit zahlreichen Veranstaltungen in der Paulinerkirche begangen.
Die schweren Bombenangriffe übersteht die Universitätskirche – anders als ihre Nebengebäude – fast unbeschädigt.
Nach dem Krieg dient die Paulinerkirche u.a. als Interim für die katholische Propsteigemeinde St. Trinitatis.
Die Universitätskirche wird zum Zweck der Neugestaltung des Augustusplatzes und einer modernen sozialistischen Universität gesprengt. Nur wenige Epitaphien und Kunstschätze können vor der Sprengung gerettet werden.
(jse / cdo)
Quellen:
www.uni-leipzig.de/campus2009/historie/universitaetskirche.html
www.leipzig-lexikon.de/KIRCHEN/PAULINER.HTM
www.paulinerkirche.org/gescha.html